Diese Frage steht vor der Anbieterauswahl. Die Preise der beiden Produktarten unterscheiden sich um mehr als eine Größenordnung. Fünf Funktionsblöcke entscheiden, welche der beiden Sie tatsächlich brauchen.
Ein eANV-Portal löst genau eine Aufgabe: das Nachweisverfahren. Ein Branchen-ERP führt den Betrieb. Der Praxistest lautet: Kann ein Containerdienst mit zwölf Fahrzeugen den Betrieb allein mit diesem Produkt führen? Wer vier der fünf operativen Blöcke braucht, braucht ein ERP. Wer nur den fünften braucht, zahlt für ein ERP zu viel.
Der Kunde ruft an und bestellt einen Container für eine bestimmte Abfallart. Daraus muss ein Auftrag mit hinterlegter Preisliste werden, und zwar je Kunde und je Abfallart, weil derselbe Bauschutt für den Stammkunden anders kalkuliert wird als für den Laufkunden. Am Ende steht eine Rechnung, die Anfahrt, Standzeit, Tonnage und Zuschläge zusammenführt.
Aufträge müssen auf Fahrzeuge und Fahrer verteilt werden, mit Blick auf Fahrzeugtyp, Behältergröße, Zeitfenster und Auslastung. Das ist der Block, für den es auch eigenständige Spezialwerkzeuge gibt, etwa dispoplan mit grafischer und tabellarischer Darstellung. Wer ein solches Werkzeug bereits im Einsatz hat, braucht im ERP möglicherweise weniger, sollte dann aber die Schnittstelle klären.
Gemeint ist die Verfolgung jedes einzelnen Behälters: Standort, Kunde, Aufstelldatum, Tauschhistorie, und daraus abgeleitet die Standzeitberechnung, die automatisch auf der Rechnung landet.
Wer eine eigene Waage betreibt, braucht die Anbindung an die Fahrzeugwaage, den rechtssicheren Wiegeschein und den direkten Weg von der Wiegung in die Fakturierung. Ohne diesen Weg wird die abrechnungsrelevante Menge doppelt erfasst. Betriebe ohne eigene Waage können diesen Block streichen.
Begleitscheine, Übernahmescheine, Registerführung, qualifizierte elektronische Signatur und die Kommunikation mit der Zentralen Koordinierungsstelle. Das ist der Block, für den es die spezialisierten Anbieter gibt. Entscheidend ist die Frage, ob das ERP dieses Verfahren selbst umsetzt oder einen Spezialisten einbindet, und ob dessen Kosten im Angebot enthalten sind oder daneben anfallen.
Zählen Sie, wie viele der fünf Blöcke bei Ihnen offen sind. Bei vier oder fünf offenen Blöcken führt kein Weg an einem Branchen-ERP vorbei, und die Frage ist nur noch, welches. Bei einem oder zwei offenen Blöcken ist ein spezialisiertes Produkt neben dem bestehenden System die günstigere Lösung. Bei drei offenen Blöcken lohnt es, beide Wege durchzurechnen, weil zwei Spezialprodukte plus Schnittstellenpflege teurer werden können als ein System.
Zwischen den beiden Optionen liegt ein Weg, den mehrere Anbieter ausdrücklich anbieten. NSUITE.comfort etwa ist als Anbindung an ein vorhandenes Vorsystem konzipiert, also an ein Abfallmanagementsystem, ein ERP oder eine Waagesoftware, und wird über Webservice-, Socket- oder Dateischnittstelle angesteuert. Ihr bestehendes System behält die Auftrags- und Rechnungshoheit, das Nachweisverfahren mit XML-Erzeugung, ZKS-Kommunikation, Registerführung und Signatur läuft daneben.
Dieser Weg ist besonders dann interessant, wenn Ihr vorhandenes System betriebswirtschaftlich trägt und nur beim Nachweisverfahren an seine Grenzen stößt. Er verlangt allerdings, dass jemand die Schnittstelle betreut, und er verteilt die Verantwortung auf zwei Anbieter.
Öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger und ihre Eigenbetriebe stehen vor einer anderen Aufgabe. Dort geht es um Gebührenveranlagung, Änderungsdienst, Bürgerportale und die Anbindung an das kommunale Finanzwesen. Die Anbieter für diesen Teilmarkt sind andere, und beschafft wird über förmliche Vergabeverfahren. Wenn Sie für einen kommunalen Betrieb suchen, ist die Fünf-Blöcke-Prüfung der falsche Maßstab.
Erst die Blöcke zählen, dann die Belegmengen erheben, dann Anbieter ansprechen. Die Belegmengen brauchen Sie ohnehin, weil die eANV-Kosten davon abhängen; wie stark, steht im Kostenratgeber mit drei Beispielrechnungen.
Nur wenn das Nachweisverfahren die einzige offene Aufgabe ist. Ein eANV-Portal erstellt Begleit- und Übernahmescheine, führt das Register und signiert. Es disponiert keine Touren, verwaltet keine Container, wiegt nicht und schreibt keine Rechnungen.
Erstens Auftragsannahme und Faktura mit Preislisten je Kunde und Abfallart. Zweitens Disposition und Tourenplanung mit Fahrzeug- und Fahrerzuordnung. Drittens Behälter- und Containerverwaltung mit Standortverfolgung und Standzeitberechnung. Viertens Waage mit Wiegescheinen und Anbindung an die Fakturierung. Fünftens die eANV-Anbindung. Wer vier dieser fünf Blöcke braucht, braucht ein Branchen-ERP.
Ja, und mehrere Anbieter bieten dafür ausdrücklich Produkte an. NSUITE.comfort beispielsweise ist als Anbindung an ein vorhandenes Vorsystem gedacht, etwa ein Abfallmanagementsystem, ein ERP oder eine Waagesoftware, und wird über eine Webservice-, Socket- oder Dateischnittstelle angesteuert. Mehrere Branchen-ERP binden auf diesem Weg einen der eANV-Spezialisten ein, statt das Verfahren selbst zu entwickeln.
Ein eANV-Zugang liegt je nach Belegmenge im zwei- bis vierstelligen Jahresbereich: Der günstigste veröffentlichte Einstieg ist Axians eANV30 mit 4,50 Euro im Monat für 30 Registerdokumente, also 54 Euro netto im Jahr zuzüglich 250 Euro einmaliger Zugangskosten. Bei 200 Belegen im Jahr liegen die drei Anbieter zwischen 312 und 780 Euro netto. Ein Branchen-ERP nennt fast nie einen öffentlichen Preis. Zwei von zehn tun es: david.light ab 89 Euro im Monat und Circuflow mit einer Implementierung ab 18.000 Euro netto, für die der Hersteller ein Rechenbeispiel von rund 1.040 Euro netto im Monat bei fünf Nutzern im Leasing veröffentlicht.
Die fünf Funktionsblöcke sind unser eigenes Raster und leiten sich aus dem Betriebsablauf eines Containerdienstes ab. Bewertet werden vier davon; in die Haupttabelle des Vergleichs kommt, wer sich öffentlich zu mindestens drei dieser vier Blöcke äußert. Die Angaben zu NSUITE.comfort stammen aus dem Produktdatenblatt des Anbieters, Abruf 09/2026. Angaben zu Produkten und Schnittstellen beruhen auf öffentlich zugänglichen Herstellerinformationen und können sich ändern, maßgeblich sind die Angaben des jeweiligen Anbieters. Dieser Text ersetzt keine individuelle Beratung.